4 Gründe, warum das Abnehmen bei Frauen nicht klappt

Viele Frauen kennen es. Sie diäten jetzt schon eine ganze Weile und sind auch motiviert ins Studio gegangen, aber das Gewicht geht nicht runter oder stagniert gerade. Im schlimmsten Fall hat man dabei sogar zugenommen. Aber woran liegt das?

Bei meiner Beratung verschiedener Frauen und meinen Beobachtungen im Fitness-Studio und den sozialen Netzwerken, sind mir einige Sachen aufgefallen, an denen es liegen könnte.

Für wen ist dieser Beitrag geeignet: für junge Trainingsanfängerinnen, die ihre Kalorien nicht zählen bzw. sich nicht nach einem Ernährungsplan ernähren und bei denen keine Diät bisher so richtig gefruchtet hat.
Für wen nicht: Erfahrene Sportlerinnen, die im Training gerne an ihre Grenzen gehen und genau wissen, wie sie Ihren Körper in Form bringen.
  1.  Falsches Training
    Oft sehe ich Mädels, die auf dem Fahrrad-Ergometer sitzen und dabei genüsslich eine Zeitschrift lesen oder Whatsapp-Unterhaltungen führen können.

    Kleine Faustregel an dieser Stelle: wenn ihr beim Cardiotraining soetwas machen könnt, ist das Training nicht intensiv genug.

    Glücklicherweise trauen sich aber immer mehr Mädels in den Kraftbereich und man muss ihnen zu Gute halten, dass sie im Durchschnitt sogar eine sehr viel bessere Technik haben, als die Männer. Es ist aber zu erkennen, dass nur die wenigsten Frauen im Kraftbereich an ihre Grenzen gehen. Da werden dann acht – wohlgemerkt beinahe unglaublich saubere – Kniebeugen gemacht. Ohne Gewicht. Sie sind danach nichtmal ansatzweise erschöpft. Gerade die Kniebeuge ist eine Übung, die –  bei richtiger Intensität ausgeführt – nach dem Satz mit einer schweren Atmung einhergeht.

    Oft benutzen Frauen Geräte, deren anatomischen Sinn ich nicht ganz verstehe. Den Stepper zum Beispiel. Bei uns im Studio stützt man hier seine Unterarme ab und kann sich daher mit dem Oberkörper aufstützen, anschließend fängt man an, MINIMAL mit den Beinen zu strampeln, die bei der Bewegung nur ein winziges bisschen angewinkelt werden müssen. Die Mädels stehen Schlange an diesem Gerät. Was meinen sie, was sie in 30 Minuten verbrennen, wenn zur Ausführung nichtmal der Oberkörper aufrecht gehalten, oder das Bein bewegt werden muss? Mit dem Stepper kann man unmöglich abnehmen.

    Das Gleiche gilt im Kraftbereich für diese „Beinspreizer“-Geräte. Erstens ist der Zielmuskel zu klein, als dass sich ein Wachstum dieses Muskels im Hobbybereich überhaupt bemerkbar machen würde. Zweitens werden dabei kaum Kalorien verbraucht.

    Natürlich gilt, jeder Sport ist besser als kein Sport. Aber wenn ihr ohnehin im Studio seid, dann trainiert doch am Besten so, dass es auch effektiv ist. Das heißt: für eure eigenen Körperverhältnisse schwere Verbundübungen und beim Cardio das Laufband, oder alternativ das Fahrrad oder der Crosstrainer.

    Sonst habt ihr immer die Gefahr, dass ihr im Sport – ohne es zu wissen – kaum Kalorien verbrannt habt und dann nach Hause kommt und euch voller Genuss eine extragroße Portion Essen gönnt.

    Zur Info: 30 anstrengende Minuten auf dem Laufband verbrennen gerademal ca. ein Snickers – wenn überhaupt.

  2. Kalorien unterschätzen
    Was vor allem in den sozialen Netzwerken auffällt und daher möglicherweise nicht auf die Masse übertragen werden kann, ist das Nichtwissen darüber was man isst. Ich bin auf vielen Fitnessaccounts unterwegs und bemerke hier immer wieder den Drang nach Supplements und Möglichkeiten, das Essen besonders „fancy“ zu gestalten. Hier sitzt der größte Diätkiller, den ich bei Frauen beobachten kann.
    Ein Beispiel. Maria ist 22 Jahre alt, wiegt 68kg und will Gewicht verlieren. Dazu hat sie sich selbst eine Diät vorgeschrieben, zig Euros in verschiedene Nahrungsergänzungsmittel investiert und postet ihre Fortschritte auf Instagram (wo ich sie dann sehe). Jetzt sieht man Bilder von Proteinshakes, Proteinbrownies, Low-Carb High-Fat Muffins, Eiweißpancakes mit Sirup und, und, und. Dabei werden die Kalorien gnadenlos unterschätzt. Nur weil „Eiweiß“ oder „Low Carb“ im Namen vorkommt, handelt es sich hier nicht zwangsweise um Ernährung, die dünn macht, oder beim Abnehmen hilft. Generell kann man sagen, dass kein Lebensmittel per sé beim Abnehmen hilft. Nur ein Kaloriendefizit hilft beim Abnehmen. Dass ein Proteinshake (30g Pulver + 300ml Milch) gerne mal um die 250 Kalorien hat, wird einfach unterschätzt. Wenn du als Frau nach dem Training diesen Shake trinkst, hast du womöglich ebensoviele Kalorien aufgenommen, als du gerade verbrannt hast. Low Carb Produkte enthalten fast immer sehr viel Fett und sind dann ebenso hochkalorisch.Noch dazu kommt, was ich ebenfalls oft in den sozialen Netzwerken beobachten kann, dass der vermeintlich „beim Abnehmen helfende“ Proteinbrownie oder Pancake dann noch mit einer dünnen Schicht Nutella oder ähnlichem bestrichen wird.Ich kann euch nur den Tipp geben: löst euch von diesem Gedanken, dass das Essen immer irgendwie „niedlich“ oder „gutaussehend“ sein muss. Genehmigt euch sehr gerne hin und wieder diese Snacks, aber achtet dabei darauf, wieviele Kalorien drinstecken und rechnet das mal hoch. Ihr werdet überrascht sein und sofort wissen, warum es mit der Diät bis hierhin nicht geklappt hat.Erneute Faustregel: wennn „Protein“, „Eiweiß“ oder „Low-Carb“ auf einem Produkt steht, heißt das nicht, dass man davon nicht dick wird.
  3. Auf Details achten und Basics vernachlässigen
    Ich hatte mal eine Arbeitskollegin, die mir lange Zeit damit in den Ohren lag, abnehmen zu wollen, für die Sport und Ernährungsumstellung aber wohl keine Option war. Stattdessen trank sie in der Mittagspause zu ihrem Kinderdöner mit Pommes einen grünen Tee (natürlich gezuckert, sonst schmeckt er nicht). Oder sie kaufte sich CLA, Himbeerketone, Omega 3 oder L-Carnitin – alles wovon sie gelesen hatte, das man dadurch abnimmt. Klar, dass sich nie ein Erfolg einstellte.Natürlich ist das ein krasses Beispiel, aber es verdeutlicht den Punkt. Statt sich auf die einzigen beiden Themen zu konzentrieren, die wirklich Abhilfe geschafft hätten, nämlich Sport und Ernährung, verbrachte sie Stunden damit nachzulesen, was ihr angeblich hilft. Da ist ein großer Unterschied zu der Herangehensweise von Männern. Die machen natürlich ganz andere Fehler, neigen aber in dieser Hinsicht tendenziell dazu, von Details garnichts wissen zu wollen und sich auf das Elementare zu konzentrieren.Immer wieder erlebe ich Frauen, bei denen die Ernährung einfach hinten und vorne nicht stimmt, die aber mit irgendwelchen Details versuchen, etwas rauszuholen. Das wird niemals funktionieren. Ihr könnt eure Mikrowellenlasagne soviel ihr wollt mit Chili würzen (tatsächlich schon gesehen), da wird euch das Capsaicin nicht retten. Der grüne Tee verzeiht auch nicht die Packung Gummibärchen am Abend (auch gesehen) und Kreatin und Proteinshakes könnt ihr euch sparen, wenn ihr ohnehin keinen Sport macht (auch gesehen).Erst wenn die Basics stimmen, können euch solche Details dabei helfen, die letzten Prozent rauszuholen. Vorher dürft ihr euch dadurch keine Wirkung erhoffen.
  4. Schlechte Vorbilder und zu hohe Kaufbereitschaft
    Ich sage es mal in aller Deutlichkeit: euren Wunschkörper könnt ihr euch nicht leihen, mieten oder kaufen. Ihr könnt ihn euch nur verdienen. Leider (oder zum Glück – je nach Blickwinkel) leben wir in einer Gesellschaft, in der man grundsätzlich alles was man möchte innerhalb weniger Tage nach Hause bekommt. Wir sind damit aufgewachsen, dass alles Wünschenswerte nur ein paar Klicks oder Meter entfernt ist und denken da natürlich auch daran, dass man nur ein paar Euro in die Hand nehmen müsste und der Körper wird schon kommen. Aber das Geld oder die Produkte, die man damit kauft,  können die notwendige Mühe und Disziplin nicht ersetzen.Diese Kaufbereitschaft kommt dann noch zusammen mit falschen Vorbildern, die eine unrealistische Erwartungshaltung schaffen. Da gibt es zum Beispiel eine bekannte deutsche „Fitnessfrau“, die für teures Geld ein Fitnessprogramm an Teenies verkauft und ihnen verspricht sie könnten mit dreimal wöchentlich 20 Minuten Sport genauso aussehen wie sie. Wie eine Wettkampfathletin! Sie trainiert sechsmal die Woche härter als 90% der anderen Studiogänger und verkauft dann sowas? Also bitte.Ein anderes Model aus der Schweiz war für hunderttausende Frauen ein Vorbild für das was man erreichen kann, wenn man die gleichen Produkte kauft wie sie. Vor Kurzem hat sie eingeräumt Steroide konsumiert zu haben. Man hätte demnach mit keinem Produkt der Welt jemals ihre Form erreichen können.Versteht das bitte nicht falsch. Was auch immer euch dazu motiviert am Ball zu bleiben, ist super. Ob das jetzt eine neue Hose ist, ein neues Supplement oder gleich ein ganzes Trainingsprogramm. Aber es nimmt euch nicht die Arbeit ab und ihr werdet damit in den meisten Fällen definitiv nicht so aussehen, wie das Instagram oder YouTube-Model, das es euch angedreht hat.

Ich hoffe, ich konnte euch damit helfen und vielleicht habt ihr euch ja im ein oder anderen Punkt wiederentdeckt. Wenn ihr noch Fragen habt, schreibt mir gerne auf Instagram. Ich freue mich über jede Nachricht.

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