4 Diätmythen, die leider immernoch geglaubt werden

Immer, wenn es Richtung Sommer geht, dann kommen Freunde und Kollegen wieder auf mich zu und löchern mich mit Fragen, wie sie am schnellsten in Form kommen.

Oft, wenn ich ihnen dann erzähle, wie simpel das Abnehmen eigentlich ist, werfen sie mir alteingesessene Mythen um die Ohren und schauen mich schockiert an. Wenn ich ihnen sage, dass Ernährung nicht schwarz/weiß ist, dass man Nährstoffe nicht in gut oder schlecht aufteilen kann und dass gesunde Lebensmittel nicht zwangsläufig einen Einfluss auf das Gewicht haben, kann ich förmlich sehen, wie sie sich denken: „hmm, der Arme hat wohl doch keine Ahnung“.

In diesem Artikel will ich mit den (nach meiner Meinung) 4 größten Diätmythen aufräumen.

  1. Abends keine Kohlenhydrate essen
    Das hält sich wirklich sehr hartnäckig. So hartnäckig, dass es mich schon fast ärgert, wenn mir jemand davon erzählt.

    Gehen wir mal davon aus, dass du einen täglichen Kalorienverbrauch von 2000 Kalorien hast. Jetzt isst du – nur mal theoretisch, um den Punkt zu verdeutlichen – garnichts, bis 22:00 Uhr und dann 1700 Kalorien, die nur aus Kohlenhydraten bestehen.Dann hast du im Ergebnis immernoch 300 Kalorien zu wenig und wirst Gewicht verlieren, obwohl du große Mengen Kohlenhydrate zu sehr später Stunde zu dir genommen hast.

    Gehen wir mal vom Gegenteil aus. Du hast immernoch einen 2000er Kalorienverbrauch. Jetzt isst du von morgens bis 17:00 Uhr 2300 Kalorien, die nur aus Fett und Protein bestehen.Jetzt wirst du im Ergebnis zunehmen, obwohl du Abends keine Kohlenhydrate gegessen hast.

    Du merkst: ob du ab- oder zunimmst hängt nicht davon ab, was du zu welcher Uhrzeit isst. Dein Körper hat ohnehin keine innere Uhr und weiß nicht, ob gerade spät oder früh ist. Ob du Gewicht verlierst, hängt von deiner Tageskalorienbilanz ab. Mehr nicht.

    Ein weiterer Punkt, der dir zu denken geben sollte, ist folgender: es wird immer behauptet, dass Kohlenhydrate abends nicht mehr gut verstoffwechselt werden könnten (#schwachsinn). Auf der anderen Seite ist man sich anscheinend einig, dass der beste Moment für Kohlenhydrate der Zeitraum ums Training, oder aber nach dem Aufstehen sei. Nach dem Aufstehen, da der Körper über Nacht die Speicher geleert hätte. Warte. Was? Auf der einen Seite sollen Kohlenhydrate über Nacht nicht verstoffwechselt werden – auf der anderen Seite soll man morgens zu Kohlenhydraten greifen, da über nacht alle Kohlenhydratspeicher geleert werden?

    Diese ganze Timingthematik mag bei manchen Nährstoffen ganz sinnvoll sein, bei Kohlenhydraten gleicht es aber eher einer Panikmache.Esst die Kohlenhydrate einfach, wann immer ihr wollt. Wenn ihr nicht nur Gewicht verlieren wollt, sondern auch sportliche Ziele habt, dann versucht, eine große Menge Kohlenhydrate vor euer Training zu legen.

    Kohlenhydrate nach dem Training haben erwiesenermaßen weder einen Einfluss auf die Proteinaufnahme, noch auf die Regeneration. Wenn ihr dazu einen eigenen Artikel wollt, kommentiert es mir gerne auf Instagram.

  2. Der Körper baut lieber Muskulatur ab als Fett
    Wie man es auch dreht und wendet, es ist einfach nicht wahr.  Das Argument ist immer, dass Muskulatur für den Körper unnützer Ballast sei, den er im Zuge des Energieeinsparens lieber loswerden würde, als eingelagertes Körperfett, das der Körper wiederum als lebenswichtig erachtet. Es stimmt auch zum Teil: euer Körper hält nur die minimal notwendige Muskulatur am Körper, aber was er als minimal notwendig ansieht, liegt ganz allein bei euch.Das lässt sich an zwei Szenarien feststellen.

    Szenario 1
    Du machst regelmäßiges Krafttraining und befindest dich zur Zeit in einem hohen Kaloriendefizit. Der oben genannten These nach, beginnt dein Körper jetzt, Muskulatur abzubauen, wenn du nicht mit Unmengen Supplements dagegen hältst. Dabei solltest du folgende Aspekte bedenken:

    Für deinen Körper gibt es keinen Status namens „Training und Diät“, dieser Zustand äußert sich in deinem Körper als „Belastung und Hungersnot“ An dieser Stelle hilft logisches Denken. Der Körper wird einen Teufel tun und Muskulatur abbauen, die er regelmäßig benötigt (z.B. im Training). Dein Körper weiß nicht, dass du „nur“ im Studio bist. Alles was er registriert ist, dass er die Muskulatur dringend braucht.

    Auf der anderen Seite speichert dein Körper Fett nur aus dem einen Grund ein, die Energie in einer Hungersnot wieder freizugeben. Soll heißen: solange du in einer Diät regelmäßig trainierst und deine Maximalkraftwerte halten kannst, wirst du keine Muskulatur verbrennen.

    Wohlgemerkt: wenn du deine MAXIMALKRAFTWERTE halten kannst. Dass du nicht das gleiche Volumen wie im Aufbau fahren kannst, ist klar. Dafür fehlt es an der Energiebereitstellung. Wenn du aber deine Maximalkraft hältst, signalisierst du deiner Muskulatur, dass der aktuelle Stand das notwendige Minimum ist.

    Szenario 2
    Du trainierst nie, hast ein bisschen zugenommen und willst das Gewicht jetzt wieder verlieren.

    Bei die gilt der folgende Grundsatz: du hast bereits nur die minimal notwendige Muskulatur. An deinem Körper befindet sich nur die Muskulatur, die dein Körper definitiv benötigt. Du kannst ruhigen Gewissens dein Kaloriendefizit fahren und musst dir keine Sorgen um abgebaute Muskulatur machen.

    Letztlich ist die Verstoffwechselung von Muskelprotein für den Köper ein unglaublich anstrengender und energieaufwändiger Prozess, welcher dem Körper viel schwerer fällt, als Fett zu verstoffwechseln.
    Nochmal: Deine Fettspeicher haben nur die eine Funktion, in einer Hungersnot als zusätzliche Energiequelle zu dienen! Wenn der Körper lieber Muskulatur abbauen würde, wäre die Funktion von Körperfett aus evolutionärer Sicht vollkommen verfehlt.

    Das einzige Szenario, in welchem der Körper antrainierte Muskulatur abbauen würde, liegt dann vor, wenn du pünktlich zu einem hohen Kaloriendefizit auch noch mit dem Krafttraining aufhörst, No Carb fährst, stundenlanges Cardio machst und das noch tagelang. Du siehst: es ist schwieriger Muskulatur abzubauen, als sie zu erhalten.

  3. Nüchterntraining hilft dabei, mehr Fett zu verbrennen
    Zugegeben, der Punkt ist etwas umstritten. Hier steht die jahrzehntelange Praxis gegen die Wissenschaft. In mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass es absolut keinen Unterschied bzgl. der Fettverbrennung macht, ob du morgens vorm Training etwas isst, oder auf nüchternen Magen trainieren gehst.

    Entscheidend ist, wie schon bei den Kohlenhydraten, die tägliche Kalorienbilanz. Hast du am Abend ein 500 Kaloriendefizit auf nüchternen Magen, oder mit gefülltem Magen erreicht, dann wirst du jeweils die gleiche Menge abnehmen.

    Auf der anderen Seite schwören viele Profis auf das Nüchterntraining oder Nüchterncardio und ihre Form gibt ihnen Recht. Ich selbst habe auch mal über einen längeren Zeitraum auf nüchternen Magen trainiert und dadurch eine gute Form erreicht, allerdings habe ich das Gleiche auch mit abendlichem Training geschafft, nachdem ich schon einiges gegessen hatte.

    In einer anderen Studie wurde zwar bewiesen, dass Nüchterntraining prozentual mehr Fett verbrennt, als Training mit gefülltem Magen. Allerdings hatte die Gruppe, die nichts gegessen hatte, nicht die gleiche Energie und hat daher insgesamt weniger Kalorien verbraucht.

    Am Ende ist das vielleicht ein Punkt, bei dem jeder für sich selbst entscheiden kann, womit er klar kommt. Es ist aber gut zu wissen für diejenigen, die sich mit leerem Magen ins Training quälen und eigentlich lieber essen würden.

  4. Das Kaloriendefizit muss mit der Zeit erhöht werden
    Klar, das kann man so machen. Man nimmt ein kleines Defizit, nimmt damit ab und erhöht das Defizit dann weiter. Aber was dann?

    Irgendwann ist man in der Diät weit fortgeschritten, hat mittlerweile ein riesiges Defizit, kaum noch Energie im Alltag und im Training und ständig Hunger. Mittlerweile ist das Defizit auch noch so groß, dass der Körper viele Funktionen runtergefahren hat und auch nur noch spärlich Fett freigibt. Klar, das kann man so machen.

    Ich habe hier aber noch eine dritte Möglichkeit, die einige von euch vielleicht dazu anregen können, mal etwas Neues auszuprobieren.

    Wenn ihr den Aufbau beendet, habt ihr prall gefüllte Speicher von… naja, allem. Ihr steht voll im Saft, seit energiegeladen und euer Stoffwechsel läuft auf Hochtouren. Im besten Fall habt ihr eine – für eure Verhältnisse – ungeheure Kraft. Genau davon könnt ihr profitieren, wenn ihr jetzt mit einem großen Deifzit in die Diät startet. Zum jetzigen Zeitpunkt habt ihr Fettspeicher, die der Körper noch gerne wieder freigibt. Das versuchen wir auszunutzen. Deshalb starten wir direkt mit einem 1500 Kalorien Defizit.

    Am Anfang werden wir weder schwächer werden, noch wird der Stoffwechsel einschlafen, noch werden wir sofort energielos zusammenbrechen. Im Gegenteil: der hohe Stoffwechsel wird dafür sorgen, dass wir sofort die ersten Kilos Fett verlieren. Das Ganze machst du so lange, bis du merkst, dass sich die ersten negativen Anzeichen äußern.

    Jetzt kommt der nächste Unterschied zur klassischen Diät. Wir erhöhen unsere Kalorienzufuhr um 200 Kalorien, sodass wir uns jetzt in einem 1300er Kaloriendefizit befinden.

    Das hat einige Vorteile:

    a) Wir haben wieder Energie fürs Training
    b) Die Diät ist leichter durchzuhalten, weil die Kalorien immer weiter erhöht werden
    c) Das wirklich hartnäckige Fett wird am Ende eher freigegeben, weil der Körper sich nicht in diesem großen „Notzustand“ befindet.

    Am Ende habt ihr die Situation, dass ihr einen sehr niedrigen KFA habt, den ihr mit einem geringen Defizit und einem relativ hohen Stoffwechsel weiter senken könnt.Wichtig ist, dass ihr die Kalorien immer erst dann weiter erhöht, wenn ihr merkt, dass ihr es mit dem derzeitigen Stand nicht weiter aushaltet. Natürlich erhöht ihr nur soweit, dass ihr noch immer Defizit bleibt.

    Vielleicht sagt dir diese Methode zu und du probierst sie mal aus. Lass mich wissen, wie es läuft, indem du mir auf Instagram schreibst!

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